Dienstag, 31. Juli 2007

Neulich im Unterricht...

...hatten wir zehn Minuten Zeit, um jeweils eine andere Person in ein paar Sätzen zu beschreiben. (Zweck der Übung: "BESCHREIBUNGEN sind ESSENZIELL für GUTE Reportagen, Leute!")
So beschrieb man mich:

"Sie könnte eine Schwester von Schneewittchen sein: Ihre Haare sind schwarz (Anmerkung der Betroffenen: ???) und zu einem kurzen Zopf gebunden. Ihre Haut ist weiß und zart, fast wie Porzellan, ganz zerbrechlich. Doch wenn sie spricht, fällt das Puppenhafte von ihr ab. Dann ist sie weder zerbrechlich noch zart, dann sagt sie, was sie will. Aber immer mit einem Lachen."

Wieder was dazugelernt!

Sonntag, 29. Juli 2007

Neulich im Fotokurs

Fast wie eine echte Journalistin...
(...nur leider nicht mit eigener Kamera)


Mittwoch, 18. Juli 2007

Neulich bei uns in der Schule...

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich dir mal, wie das so ist an der Journalistenschule.

Morgens gegen 8:50 Uhr komme ich in der Schule an. Da erwartet mich dann erst mal ein riesiger Zeitungsstapel im Büro. Süddeutsche, Tagesspiegel, Hamburger Morgenpost, taz, Financial Times Deutschland, Sächsische Zeitung und natürlich die BILD - wer soll das eigentlich alles lesen??

Aber lesen schaffe ich eh nicht mehr. Höchstens, einen Blick auf meine emails zu werfen. Um 8:57 Uhr klingelt es nämlich. In echt! Wie in der Schule!

Um 9 Uhr beginnt die "Morgenkonferenz" im Seminarraum.

Der ist zwar schön, unser Seminarraum, nur leider warm. Bei Sonne. Bei Regen. Der Luft im Seminarraum ist das Wetter egal. Aber die Konferenz dauert eh meist nur so zwanzig Minuten. Da besprechen wir den Tag, die Lage, den gestrigen Tag, den morgigen Tag und überhaupt. Danach dann: Zeitungen lesen. Oder scannen. Oder wie man auch immer man das nennen will, was man in 30, 40 Minuten halt so hinbekommt.

Um zehn Uhr dann: der Unterricht beginnt. Heute besprechen wir Überschriften, die wir gestern getextet haben.

Hauptsächlich geht's darum, was wir alles falsch gemacht haben. Zu langweilig. Sachlich falsch. Übetrieben. Zu sehr zugespitzt. Worte wiederholen sich. Irgendwann fragen wir uns: Haben wir eigentlich auch was richtig gemacht? Immerhin: Die Überschriften für einen eher unterhaltsamen Text waren kreativ, sagt unser Dozent. Na bitte. Ich sehe uns schon alle bei BUNTE.

11: 30 Uhr: Pause. Kaffee. Emails. Schnell schnell. Sind nur zehn Minuten. Auch mal einen Abstecher in die anderen Büros machen. Oder Flurkonferenz abhalten. Diskutieren, welchen Praktikumsplatz man jetzt verdammt noch mal wählen soll. Alles sowas.

Dann Unterricht bis 13 Uhr. Wir besprechen das Thema "Weiterdrehe". Weiterdrehen heißt, Nachrichten, Informationen, Geschichtchen zu richtigen Geschichten zu machen. Beispiel: Allre reden vom Heuschrecken-Kapitalismus. Machen wir doch mal was über Heuschrecken! Warum werden diese putzigen Tierchen da eigentlich für so was Hässliches missbraucht? Typisches Thema für eine Wochenend-Beilage. Bunt weiterdenken. Muss man auch können.

13 Uhr: Mittag!

Heute: Irgendwas mit Mini-Kartoffeln, Sahne, Zwiebeln und Fisch. Salat dazu, fertig. Kostet drei Euro und wird mir am Monatsende vom Gehalt abgezogen. Gemein sowas.

14 Uhr: Wir müssen weiterdrehen. Das heißt für uns: Zeitungen nach Kleinigkeiten durchforsten, Köpfe rauchen lassen. Ich finde in einem Artikel den Hinweis, dass Welse (die Fische) bis zu 80 Jahre alt werden. Wusste das jemand? Und kann man nicht mal was über alt werdende Tiere machen? Judith aus meinem Büro liest irgendwo, dass die Firma, die Hightech-Beinprothesen für Spitzensportler (!) herstellt, in Deutschland sitzt. Firmenporträt! So drehen wir also vor uns hin.

15 Uhr: Themen-Besprechung in großer Runde. Wir müssen unsere Ideen "verkaufen". Fazit des Dozenten: Alles so vorhersehbar. Aha. Bunt weiterdenken können wir also auch nicht.
Zum Glück müssen wir nicht nur immer kreativ denken, sondern dürfen auch mal "in echt" schreiben. Dann kriegen wir die Texte korrigiert wieder. Und die können dann auch mal so aussehen:

(Anmerkung: Rot heißt "ganz schlimm", blau heißt "nicht gut", grün heißt "gut". Das ist das Wolf-Schneider-System. Grün war bei diesem Text leider nix. Dafür stand da unter anderem: "Vier Zeilen über Anekdoten und keine einzige wird erzählt. Eine Todsünde! Aktive Leserverscheißerung!")

17 Uhr: Feierabend. Glück gehabt: Des öfteren schaut noch ein Abendgast vorbei, von 17:30 bis 19 Uhr. Zum Beispiel ein Chefredakteur. Oder ein Anzeigen-Mensch aus dem Verlag. Oder sonst irgendwer, der uns Interessantes erzählen kann.

Liebes Tagebuch, so ist das, bei uns auf der Journalistenschule.
Feierabend haben ist übrigens schön. So ein ganz neues Gefühl, nach all den Jahren Studium.

Marike

Dienstag, 10. Juli 2007

Ich habe seit Jahren keinen Schirm mehr besessen. Jetzt wohne ich in Hamburg. Ich sehe das als eine Art Survival-Training. Andere seilen sich von der Eiger Nordwand ab, ich stelle mich dem Regen. Der gern von einer Sekunde auf die andere über mich hereinbricht. Gern auch gerade dann, wenn ich auf dem Fahrrad sitze.

Die zwei mal, die ich mich entschlossen habe, mit dem Rad zur Schule zu fahren, bin ich zwei mal nass geworden, beides mal auf dem Rückweg. Weil das Wetter abends schon wieder gaaanz anders aussieht, als man es sich morgens vorstellen konnte.
Wann bitte wird's mal wieder richtig Sommer?
Aber weg vom Wetter, dem leidigen Thema.
Hin zum Handfesten.

Letzte Woche: Interviewen gelernt. Wie man gute, kurze, prägnante Fragen stellt und "nah ran geht". Soll heißen: Gefühle, Empfindungen, Meinungen aus einer Person heraus bekommt. Und ich dachte immer, man muss nur irgendwie Fragen stellen. Ob ich jemals so treffend und einfallsreich fragen können werde wie unser Dozent?

Überhaupt habe ich bisher vor allem gelernt, was ich alles NICHT kann: Ich kann nicht so gut Nachrichten schreiben ("Im ersten Satz muss stehen, worum es im Kern geht! Außerdem muss er in den Text reinziehen, zum Lesen anregen! Aber er darf nicht werten! Und nicht ironisch sein! Das hier ist kein Kommentar, sondern eine NACHRICHT!"). Ich kann nicht so gut Interviews führen ("Viel zu weit gefasst, das Thema, fokussieren Sie sich!"). Heute habe ich gelernt, dass ich zwar Spaß daran habe, einen Kommentar runter zu hacken, aber mich dann in Sprachbilder und Spielereien verliebe - und dabei den Inhalt vernachlässige. Wer eine Meinung hat, sollte sie auch gut begründen. Und Allerweltsmeinungen sind langweilig. Und oberlehrerhaft sollte es auch nicht sein.
Andererseits war das größte Problem am Anfang, überhaupt erst mal eine Meinung zu haben!
Plötzlich muss man beim Schreiben an so vieles denken. Jeden Satz überprüfen: Stimmt das so? Oder behaupte ich da einfach was? Vergleiche ich Äpfel mit Birnen? Benutze ich ein abgenutztes Bild? (z.B. "grünes Licht", "fünf vor zwölf" oder ähnliches)

Mehr Sorgfalt, mehr Sorgfalt, mehr Sorgfalt. Das werde ich hier wohl lernen müssen.

Ansonsten ist die "Klasse" nett, auch wenn einige sich immer mal wieder ein bisschen positionieren und präsentieren müssen. Wir nennen das die "Hahnenkämpfe".
Ach übrigens: mit Sven, der auch in Tübingen studiert hat, schwätze ich immer mal wieder schwäbisch. Oder versuche es zumindest. Auf jeden Fall lache ich mich kaputt über Sven, der gar kein Schwabe ist, den Dialekt aber so herrlich imitiert, dass ich mich wie nach Derendingen zurückversetzt fühle.

Bald mache ich auch mal Fotos vom Innenleben der Schule und unserem täglichen Freud und Leid - heute erst mal zwei Bilder vom letzten Wochenende: Jane und Philipp heirateten in München!








Ein Bild vom Brautpaar habe ich leider nicht...

Liebe Grüße an euch alle und bis bald!

Marike