Dienstag, 18. Dezember 2007

Jahresendschrieb

Dear folks,

schmählich habe ich euch vernachlässigt...

Aber die Zeit rast und ich habe jeden Tag so viel zu tun und wenn ich nach Hause komme, will ich nur noch Ruhesofazeitschriftfernsehen und die lassen uns kaum mal Zeit zum Atem holen und überhaupt: Wann ist endlich Urlaub???

Zum Glück in wenigen Tagen. Ich habe es mir verdient.

Die letzten vier Wochen in der Schule waren vollgepackt mit Unterricht, Schreibübungen ("geben Sie im Laufe des Abends ab", "geben Sie bis Sonntag, 12 Uhr, ab"), vielen Abendgästen, Vorbereitungen auf den nächsten Unterricht und sehr, sehr wenig Pausen. Dafür hatten wir Sarah Kuttner und Ildiko von Kürthy zu Gast, das ist doch auch mal was. Wir mussten an ihnen das Interviewen üben. Ich hatte das Vergnügen mit Frau Kuttner, die auch im wahren Leben so munter und redselig und einigermaßen überdreht ist wie im Fernsehen. Die ist halt so.


Angeleitet wurden wir vor und nach der Interviewübung übrigens von Michael Ebert, NEON-Chefredakteur. Auch nicht von schlechten Eltern.

Ansonsten freue ich mich auf meine Spanien-Weihnachten, einfach nur viel essen und Bücher lesen, herrlich. Im neuen Jahr nutze ich den Rest meines drei-Wochen-Urlaubs (!!!!), um mal eben zu Steffi nach Stockholm zu düsen. Eine Woche in Erinnerungen schwelgen. Hoffentlich liegt Schnee! Sonst wäre das Kontrastprogramm Spanien - Schweden doch nur halb so schön.
Im Januar kommt dann mein Praktikum bei Geolino. Dann darf ich für Kinder schreiben und hoffentlich selbst jede Menge lernen.

Und das habe ich in den letzten vier Wochen gelernt: Reportagen brauchen einen Helden. Nicht dass der Interviewte dich nett findet, ist wichtig, sondern dem Leser soll's gefallen. Nur nicht mit Worten dramatisch werden, wenn das Schicksal, das man beschreibt, eh schon dramatisch ist. Sonst droht, Zitat des Schulleiters: "Sozialkitsch". Schöne Worte sind schön und gut - wichtiger ist erst mal Grundlagenschreiben. Ein Café kann sich nicht in ein Haus hinein ducken und der Wind kann nicht kalt antworten. Das sind nämlich Dinge. Die TUN nichts. Einen eigenen Stil können Sie später immer noch entwickeln, Frau Frick, jetzt lernen Sie erst mal das Handwerk. Montag bis Freitag, neun bis neunzehn Uhr ist eine Mühle ist eine Mühle ist eine Mühle. Man wird von Wochenende zu Wochenende geschleudert und dann beginnt alles wieder von vorn. Komisch irgendwie. Geht das jetzt immer so weiter?

In weihnachtlicher Tradition nachdenklich gestimmt,

Marike

P.S. Hier noch ein paar Bilder von unserer Wohnung, die immer netter wird.












Sonntag, 18. November 2007

Lesen!

So, und hier ein bisschen Lesefutter für die dunkle Zeit: Marike in der Financial Times!

Ein Bauer geht an die Börse (große Magazingeschichte): http://www.ftd.de/boersen_maerkte/geldanlage/:Agenda%20Nicht%20Frage%20Ähre/277727.html

Deutschlands größte WG (1000 qm! 30 Leute! Alles Berufstseinsteiger, die nicht allein wohnen wollen. Ein interessantes Modell, finde ich) http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:Out%20Office%20Deutschlands%20Wohngemeinschaft/280539.html

Das erste Praktikum habe ich jetzt übrigens hinter mich gebracht. Und die Erkenntnis gewonnen: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Mein Leisten: Reportage. Porträt. Magazingeschichten. Eben alles, wo mit Sprache gespielt und gearbeitet werden kann. Nur Informationen rüberbringen und investigativ Sachen rauskriegen - nee, nicht mit mir. Ich will: GESCHICHTEN ERZÄHLEN! Und wenn dann noch die Stimmung in der Redaktion stimmt: fühle ich mich richtig wohl. So sehr, dass es fast egal ist, ob ich nun über Wirtschaft schreibe oder Menschen von nebenan.


Hier ein Bild von meinen lieben Berliner-Mitschülern (also die, die auch in Berlin Praktikum gemacht haben und auf der Journalistenschule sind.) Entstanden letzte Woche in Berlin, wohin es mich am Wochenende verschlagen hat. Und wo ich auch - huch! - den ersten Schnee erlebte. Natürlich in irgendeinem Café sitzend, mit der Zeitung in der Hand...


Es geht ab morgen wieder zur Schule:

Marike

Donnerstag, 8. November 2007

On the road

Viel zu lange nichts geschrieben.
Aber alles geht irgendwie so schnell, wenn man einen so genannten Arbeitsalltag hat.
Ich bin jetzt also im Hamburger Büro der gleichen Zeitung, in einer Art Reportage-Ressort. Und das ist viel, viel besser als Politik in Berlin! Die Leute sind super, integrieren mich, reden mit mir, stellen auch mal Fragen, sorgen dafür, dass ich was zu tun habe... Was will man mehr. Zwar muss ich mit mit Wirtschaftsthemen beschäftigen und mich ein bisschen reinfuchsen, aber es ist des Lernens ja kein Ende. Morgen wird meine erste große Reportage im Blatt stehen. Ich werde sie natürlich hier verlinken!
Ansonsten schreibe ich ein Porträt, mehrere Magazin-Geschichten, Unterhaltungs-Geschichten etc. Das ist nett, und ich komme sogar herum. Im Moment sitze ich in einem Düsseldorfer Café mit Internetanschluss. Ich hatte zwei Termine hier, einer wurde jetzt aber auf morgen verschoben, so muss ich sogar noch eine Nacht länger bleiben.
Nächste Woche fahre ich nach Dresden. Und letzte Woche war ich mit dem Firmenwagen in Brandenburg unterwegs. So ein Reporterdasein ist schon eine prima Sache.

Und in zwei Wochen ist das erste Praktikum schon vorbei - dann drücken wir alle wieder einen Monat die Schulbank. Und dann hab ich erst mal FERIEN! Im Prinzip habe ich seit September 2006 durchgearbeitet: Erst Magisterarbeit, dann Prüfungen, dann Henri-Nannen-Schule. Alles rums-bums und Knall auf Fall. Puh. Also fahre ich erst mal nach Spanien, und zwar über Weihnachten, jawoll! Und im Januar: Fahre ich nach Stockholm, juchhu! Steffi besuchen, die ja gerade ein Erasmus-Semester dort macht. Es ist zwar die dunkelste Zeit des Jahres, aber wer hat schon Angst vor Dunkelheit? Ich nicht! (Und außerdem hatte ich keine Wahl. Was kann ich dafür, dass ich ausgerechnet im Januar Urlaub habe?)
Oh wie lustig: Gerade sagte eine junge Frau am Nebentisch: "Ich hätte mich damals bei der Henri-Nannen-Schule bewerben sollen statt Jura zu studieren" - hehe! Hallo! Ich bin da! Und ja: Es ist guuuuut!

Fröhlich, frisch und frei: Marike

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Bald vorbei

Mittendrin in der letzten Woche: Ach Berlin, du wirst mir fehlen!
Während andere am Tag der Einheit feiern und am Brandeburger Tor den Fanta 4 lauschen, sitze ich im Büro und schreibe über Islamisten, mal wieder. Und denke darüber nach, wie ich aus den letzten Tagen in der Hauptstadt noch so richtig was rausholen kann.
Dabei kann man mir eigentlich nicht vorwerfen, die Zeit hier nicht bis zur Erschöpfung genutzt zu haben. War pausenlos unterwegs, habe viele Leute getroffen, jede Menge Wein konsumiert, das Café-Leben in vollen Zügen genossen, exzessiv gefrühstückt und bin immer wieder gern mit meinem Radl durch die Straßen gedüst. Und habe dabei davon geträumt, in einer von diesen umwerfenden Berliner Wohnungen zu leben, die man hier für'n Appel und 'n Ei (quasi) bekommt. Im Ernst: Für den gleichen Preis, den ich in Hamburg zahle, bekomme ich hier mindestens 20 Quadratmeter mehr!

Aber genug geträumt. Hamburg ist ja auch schön.
Noch schöner ist es, Roberto endlich mal wiederzusehen. (Obwohl ich bestimmt nach drei Tagen wieder genervt sein werde: Doktoranden-Freundin sein ist nicht gerade das Allergelbste vom Ei! Momentanter Arbeitsrhytmus des zukünftigen Doktors: Fünf Uhr nachmittags bis fünf Uhr früh. Nix da mit "Lass uns heut Abend mal was machen"... Aber durch harte Zeiten muss man durch, damit man die anderen um so mehr genießen kann.)

Gekocht habe ich in den letzten Wochen, glaube ich, drei Mal. Ansonsten war ich aus. Oder hab mir eine Stulle geschmiert. (Lerne: Stulle = belegtes Brot. Ossisch.)
Und dass ich so viel Essen war, hat mein Konto sehr gemerkt. Da kann es noch so günstig sein, das Ausgehen! Jetzt muss ich wieder mal oa bissle spare. Den Schwaben hervorkehren. Oder so.

Ach ja, und dann war da auch noch die Arbeit: In der Redaktion lief es jetzt eigentlich immer ganz gut. Hatte sogar einen richtig, richtig langen Artikel im Blatt - weil ich am Sonntag gearbeitet habe und da sonst kaum jemand da ist. Da dürfen sogar Praktikanten so richtig ran. Irgendwie hat sich sowas wie Routine eingestellt. Und ich hab gar keine Angst mehr vorm Telefonieren! Hatte ja immer ein bisschen Respekt davor, fremde Leute zu stören. Aber das muss man von Anfang an hinter sich lassen. Also: Doch was gelernt.

Außerdem weiß ich jetzt, dass Journalisten doch manchmal Ahnung haben. Und dass ich deren Einschätzungen ruhig glauben kann. Das ist doch ein gutes Gefühl für die zukünftige Zeitungs-Lektüre!
Die Leute hier beschäftigen sich nämlich ziemlich mit ihren Themen und kennen viele andere Leute, die ihnen Informationen stecken. Insofern auch der Aufruf an euch: Lest Zeitung! Ihr sichert damit auch meine Zukunft! :-)

Servus!

Marike

Dienstag, 18. September 2007

Praktikantendasein

Jetzt hab ich schon, ach, Wolfgang Schäuble und Gerhard Schröder live gesehen, und doch: So richtige Freude mag sich nicht einstellen.

Nachrichten-Journalismus ist wohl nicht so für mich.

Was das Ganze aber rettet: Berlin!

Wenn ich im Prenzlauer Berg im Café sitze, draußen Kastanien, Kopfsteinpflaster und Altbauten, vor mir ein Milchkaffee und ein Klatschblatt - dann geht es mir gut. Diese Stadt ist eine einzige Einladung, und ich nehme sie ständig an. Billig essen gehen, was trinken gehen, umherradeln, wieder was Essen gehen, Atmosphäre genießen... Jibtet wat Schöneres?

Die WG ist auch sehr sehr nett, leider in Kreuzberg statt P-berg oder Friedrichshain. Aber wozu habe ich mein treues Fahrrad? Am Wochenende war Roberto da und wir sind wie wild durch die Straßen geradelt. Und von einem gemütlichen Café ins andere getorkelt, trunken vor Begeisterung. Soooo schön.


Und das Praktikum? Morgens bekomme ich dort entweder den Auftrag, in eine "PK" (Pressekonferenz) zu gehen, oder eben nicht. Wenn nicht, kann es sein, dass ich im Laufe des Mittags den Auftrag bekomme, eine reinkommende "Geschichte" (Nachricht) zu bearbeiten (Leute anrufen und Stimmen einfangen, Hintergrund recherchieren, schreiben). Wenn nicht, habe ich Pech gehabt. So drehe ich manche Stunde Däumchen und versuche, eigene Geschichten zu finden. Ist aber nicht ganz einfach in einer tagesaktuellen Nachrichtenredaktion.
Ich möchte ja gern positiv auffallen und eine gute Praktikantin sein - aber ich schaffe es irgendwie nicht. Die kennen sich alle so gut aus, da halte ich meist meinen Mund. Und wurschtele so vor mich hin, ohne dass ich groß jemandem auffalle. Manchmal mache ich Themenvorschläge, manchmal wird gesagt: "Ok, wenn du dich darum kümmern willst, gern." Aber für ein großes Licht am Journalistenhimmel wird mich hier wohl niemand halten. Ich mich ja auch nicht.

Naja, wenigstens sind die Leute nett, die Atmosphäre ist locker und freundlich - aber ich bin gegen 18:30 Uhr eigentlich immer fast die Erste, die geht. Auch dafür werde ich wohl nicht den "Engagierte-Praktikantin"-Preis des Jahres bekommen. Aber ehrlich, ich fühle mich wenig engagiert. Ich mache meine Arbeit, so gut ich kann. Und genieße ansonsten: BERLIN!

Es freut sich des Berliner Lebens,

Marike

Donnerstag, 13. September 2007

Mittwoch, 5. September 2007

Hauptstadt

Berlin, Berlin!

Da sitze ich nun also mitten in Kreuzberg, bin plötzlich in einer anderen Stadt, lauter Türken-Bars um mich herum, radele morgens in die Gucci-Chanel-Dior-Friedrichstraße und weiß gar nicht richtig, wie mir geschieht...

Schön ist das und ein bisschen aufregend und ziemlich kurzweilig und manchmal anstrengend. Dabei sind gerade einmal drei Tage Praktikum vorbei.
Das Praktikum selbst ist anstrengend - auf eine andere Art und Weise als "stressig". Ich muss nach Themen regelrecht suchen, sonst drehe ich nur Däumchen. Und leider fällt das Themen-finden in einem knallharten Bundespolitik-Ressort schwer. Da gibt es halt übliche Pressekonferenzen, zu denen die üblichen Leute hingehen. Und wenn was passiert, gibt's immer jemanden, der für das Thema zuständig ist. Ich lächele dann sehr nett und frage, ob ich denjenigen irgendwie unterstützen kann. Naja. Praktikantentum halt. Ansonsten ist es spannend zu sehen, wie Politik beobachtet und bewertet wird. Die Leute hier sind ganz schön fit, kennen sich gut aus. Und viele Themen werden ausführlich besprochen. Allerdings wird auch manches künstlich aufgeblasen, damit es überhaupt ein Thema wird. So nach dem Motto: "Wäre doch schön, wenn sich mal jemand so richtig über den Ausspruch vom Beck aufregen würde - ruf doch mal ein paar Leute an!" Sowieso: anrufen. Ganz wichtig im Politik-Ressort. Erste Routine, nachdem eine Nachricht über den Ticker reinkommt: Zum Hörer greifen. Ich musste auch schon Bundestagsabgeordnete und "Terrorismusexperten" anrufen.

Sorry übrigens, dass dieser Blog weitgehend bildlos ist. Ich habe leider keine Kamera hier in Berlin, hoffe aber, dass ich bald mal ein paar Bilder machen kann.

Die WG, in der ich ein Zimmer bewohne, ist super nett. Und zwei meiner "Mitschülerinnen" wohnen gar nicht weit weg. Meine Großeltern sind sogar auch nur siebeneinhalb Minuten von mir entfernt! Ich kann mich also auch im Kosmos Berlin wunderbar per Rad bewegen. Gern würde ich auch mal Kreuzberg und Mitte verlassen - allein, es fehlt die Zeit. In der Redaktion verlässt so gut wie niemand vor halb sieben/sieben das Haus. Meist eher gegen acht. Und so sitze ich also von morgens bis abends im Großraumbüro und habe kaum etwas vom Tag. Jaja, das harte Arbeitsleben...!

Seid lieb gegrüßt, ihr alle irgendwo in Deutschland!

Marike

P.S. Guckst du hier: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Polizei%20Gotteskrieger/249301.html

Freitag, 24. August 2007

Zeitungsmache

Was! für! eine! Woche!

Drei Tage Zeitungsproduktion. Drei Tage Vollstress. Drei Tage unter Strom.

Und das steckt dahinter: Die Henri-Nannen-Schule lässt jeden ihrer Jahrgänge am Ende des ersten Lehrblocks (und ja, da bin ich schon angekommen, am Ende der ersten zehn Wochen!) eine Übungszeitung machen. Drei Tage, sechs Seiten, unter Realbedingungen.

Wir haben also Ressorts gebildet, uns zwei, drei Tage vorbereitet, und dann ging es los. Ich saß im Ressort "Politik und Wirtschaft", musste also folgende Multitasks vollbringen: Zeitung lesen, Nachrichtenticker checken, neu reinkommende Nachrichten auf ihre Relevanz überprüfen und gewichten, recherchieren, Leute für O-Töne anrufen, kreativ sein (was kann man aus der Nachricht machen? Kann man die "drehen"? Braucht man einen Hintergrundkasten? Bietet sich ein Interview an?), immer mal wieder Spiegel online checken, schreiben, schreiben, schreiben, überarbeiten, ins Layout einpassen, Bildidee ausdenken, andere Artikel gegenlesen und so weiter und so fort. Von sehr früh morgens bis ziemlich spät abends.

Ich hoffe, ich konnte den Stressfaktor durch diese Aufzählung adäquat rüberbringen.
Bin jetzt völlig ausgelaugt. Obwohl: Es wurde von Tag zu Tag besser. Und hat auch ohne Frage Spaß gemacht. Vor allem, weil wir alles selbst machen durften. Ideen umsetzen und so, was Eigenes produzieren. Das hat mich ja schon immer am meisten angefixt. Neben dem wunderschönen Akt des Schreibens selbst, natürlich.

Die Zeitung sah übrigens ganz gut aus am Ende. Besonders nett waren unsere bunten Seiten, die Seite drei und die Panorama-Seite. Hier sind halt lauter Kreativlinge...

So. Jetzt ist Wochenende. Und ich weiß irgenwie gar nicht so richtig, was ich machen soll. Zwei Tage lang nix zu tun, komisch!

Nachher wird erst mal schlafen:
die Marike

P.S. Der Titel unserer Zeitung übrigens: Norddeutsche Zeitung. Ähnlichkeit mit bestehenden Publikationen nicht ausgeschlossen...

Dienstag, 14. August 2007

26

Habe gerade gemerkt, dass ich nicht mehr 18 bin.

Und das ging so: Am Wochenende hatte ich Mädels-Besuch aus Tübingen; Franziska, Martina und Susanne waren da. Natürlich mussten wir auf die Piste. Natürlich würde es spät werden. Aber dann wurde es fünf. Und alle, wirklich alle außer mir waren fest davon überzeugt, dass man in Hamburg NATÜRLICH nicht den Fischmarkt verpassen dürfe. Und zwar im fließenden Übergang: Runter von der Tanzfläche, ran an die Fischbuden! Ich hatte zwei gute Gründe gegen diesen Plan: Meinen rechten sowie meinen linken Fuß, die in hochhackigen Schuhen steckten. Aber auf mich wollte ja keiner hören. Also stöckelte - humpelte? - ich hinterher. Auf dem Fischmarkt war es langweilig, aber immerhin: Es gab Shrimp-Brötchen. Um fünf Uhr dreißig. Nach Wein, Bier und Caipirinha. Das hat mich total überzeugt.
Irgendwann gegen sieben waren wir dann zu Hause. Ich bettete meinen geschundenen Füße unter die Decke, bemühte mich, das Tageslicht weitesgehend zu ignorieren und fiel dann in einen leichten Schlaf. Bis zwölf. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Variationen des Ausruhens: Ausruhen an der Alster, ausruhen auf dem Alsterschiff, ausruhen im Beach Club an der Elbe. Dann ging ich wieder schlafen.
Montag dann: Schule. Und ich kannte nur ein Gesprächsthema: "Ich bin so müde!" Habe versucht, mich mit Koffein über Wasser zu halten. Irgenwie funktionierte das nicht. Dachte ich. Abends im Bett fing es nämlich an, ganz wunderbar zu funktionieren. Ich drehte und wälzte mich, totmüde und frustriert.
Heute dann: Schule. Und ich bin immer noch müde.

26, liebe Leute. Das ist nicht alt. Aber so wirklich jung ist es anscheinend auch nicht mehr.

Gute Nacht.

Marike

Freitag, 10. August 2007

Erdig

Ha! Jetzt weiß ich endlich, was ich werde, wenn ich groß bin: Gerichtsreporterin!

Und ich weiß auch, warum mir das Spaß macht: Man geht hin zum Gericht, setzt sich hin, muss niemanden anrufen, niemanden belästigen, niemanden interviewen - man hört einfach zu und schreibt das auf. Ach, wie schön.

Im Ernst, im Gericht zu sein war spannend. Und natürlich würde ich das nicht mein ganzes Leben machen wollen, aber Spaß gemacht hat es! Obwohl "Spaß" vielleicht nicht das richtige Wort ist. In erster Linie "erdet" so ein Gerichtsbesuch.

1. Verhandlung: Frau mit 20jähriger Kokain-Vergangenheit, lebt von Hartz IV
2. Verhanldung: Junger Mann ohne Hauptschulabschluss, lebt von Hartz IV
3. Verhandlung: Junge Frau mit Kind, Heroin-Vergangenheit, lebt von Hartz IV

Ich denke ihr versteht, was ich mit "erden" meine...

Da schluckt man erst mal und wird sich bewusst, in was für einer anderen Welt man lebt. Und dass es diese andere Welt auch gibt, direkt um die Ecke, ohne dass wir viel davon mitbekommen. Wir mit unseren Auslandssemestern und Wochenend-Trips...

Ja, ich bin sehr geerdet. Und werde mich jetzt zum weiteren Nachgrübeln ins Bett zurück ziehen.

Eure

zukünftige Gerichtsreporterin

Donnerstag, 2. August 2007

Auf der Jagd

FRUST!

Was ich mag am Journalist-sein: Schreiben.
Was ich nicht mag: Ziemlich vieles, was vorher kommt.

Vielleicht sollte ich doch lieber Schriftstellerin werden?

Die Geschichte geht so:

20 Journalistenschüler sollen eine Reportage schreiben. Oberthema: Jugend. Marike denkt sich: Schreibe ich doch mal über diese shopping-geilen Mädchen, die mit 12 schon aussehen wie 16 und sich mit 13 anziehen wie 20. Für eine Reportage muss man aber irgendwo DABEI sein, das geht nicht einfach so im luftleeren Raum. Also losziehen, Mädels finden. In der Schule wird gewitzelt: "Wir Mädchen von der Mönkebergstraße, höhöhö".
Ich witzele mit.
Höhöhö.
Dann vergeht mir das Lachen.
Ich hasse Leute-finden! Stundenlang habe ich vor Orsay und Pimpkie gestanden und junge Mädels angelabert, aber sie passten alle nicht so recht ins Raster. Zwar liefen da jede Menge Ballerina-beschuhte Mädchen mit perfektem Lidstrich rum, aber entweder waren sie zu alt (mein Ziel: 13, 14 Jahre alt), oder mit Mama unterwegs (Ziel: Freundinnen unter sich) oder sie gaben nicht genug Geld für Klamotten aus (Ziel: so hundert Euro im Monat). So ist das, wenn man sich ein Profil zurecht legt. Wenn ich dann endlich, endlich zielgruppige Mädchen finde, dann will ich sie beim Einkaufen begleiten und beobachten, sowie ausführlichst befragen. Das wird dann alles ein Klacks, wird das!
Nachdem ich gestern Nachmittag schon erfolglos war, probierte ich es heute wieder - im Regen. Daraufhin musste ich vor lauter geistiger Anspannung und zwecks Entspannung meiner Füße erst mal zum teuren Starbucks. Habe schätzungsweise eine halbe Packung Philadelphia gegessen, die sich in einem "Rasperry Cheese Cake" versteckte. Frustbekämpfung kann so schön sein.
Morgen geht der Straßenkampf weiter.
Bäh. Mag nich mehr.

Bald wieder besser gelaunt,

Marike

P.S. Oh: Es gibt übrigens etwas, in dem wir gut sind! Mussten neulich ein Porträt über einen Dozenten schreiben und wurden durchweg gelobt! Man höre und staune!

Dienstag, 31. Juli 2007

Neulich im Unterricht...

...hatten wir zehn Minuten Zeit, um jeweils eine andere Person in ein paar Sätzen zu beschreiben. (Zweck der Übung: "BESCHREIBUNGEN sind ESSENZIELL für GUTE Reportagen, Leute!")
So beschrieb man mich:

"Sie könnte eine Schwester von Schneewittchen sein: Ihre Haare sind schwarz (Anmerkung der Betroffenen: ???) und zu einem kurzen Zopf gebunden. Ihre Haut ist weiß und zart, fast wie Porzellan, ganz zerbrechlich. Doch wenn sie spricht, fällt das Puppenhafte von ihr ab. Dann ist sie weder zerbrechlich noch zart, dann sagt sie, was sie will. Aber immer mit einem Lachen."

Wieder was dazugelernt!

Sonntag, 29. Juli 2007

Neulich im Fotokurs

Fast wie eine echte Journalistin...
(...nur leider nicht mit eigener Kamera)


Mittwoch, 18. Juli 2007

Neulich bei uns in der Schule...

Liebes Tagebuch,

heute erzähle ich dir mal, wie das so ist an der Journalistenschule.

Morgens gegen 8:50 Uhr komme ich in der Schule an. Da erwartet mich dann erst mal ein riesiger Zeitungsstapel im Büro. Süddeutsche, Tagesspiegel, Hamburger Morgenpost, taz, Financial Times Deutschland, Sächsische Zeitung und natürlich die BILD - wer soll das eigentlich alles lesen??

Aber lesen schaffe ich eh nicht mehr. Höchstens, einen Blick auf meine emails zu werfen. Um 8:57 Uhr klingelt es nämlich. In echt! Wie in der Schule!

Um 9 Uhr beginnt die "Morgenkonferenz" im Seminarraum.

Der ist zwar schön, unser Seminarraum, nur leider warm. Bei Sonne. Bei Regen. Der Luft im Seminarraum ist das Wetter egal. Aber die Konferenz dauert eh meist nur so zwanzig Minuten. Da besprechen wir den Tag, die Lage, den gestrigen Tag, den morgigen Tag und überhaupt. Danach dann: Zeitungen lesen. Oder scannen. Oder wie man auch immer man das nennen will, was man in 30, 40 Minuten halt so hinbekommt.

Um zehn Uhr dann: der Unterricht beginnt. Heute besprechen wir Überschriften, die wir gestern getextet haben.

Hauptsächlich geht's darum, was wir alles falsch gemacht haben. Zu langweilig. Sachlich falsch. Übetrieben. Zu sehr zugespitzt. Worte wiederholen sich. Irgendwann fragen wir uns: Haben wir eigentlich auch was richtig gemacht? Immerhin: Die Überschriften für einen eher unterhaltsamen Text waren kreativ, sagt unser Dozent. Na bitte. Ich sehe uns schon alle bei BUNTE.

11: 30 Uhr: Pause. Kaffee. Emails. Schnell schnell. Sind nur zehn Minuten. Auch mal einen Abstecher in die anderen Büros machen. Oder Flurkonferenz abhalten. Diskutieren, welchen Praktikumsplatz man jetzt verdammt noch mal wählen soll. Alles sowas.

Dann Unterricht bis 13 Uhr. Wir besprechen das Thema "Weiterdrehe". Weiterdrehen heißt, Nachrichten, Informationen, Geschichtchen zu richtigen Geschichten zu machen. Beispiel: Allre reden vom Heuschrecken-Kapitalismus. Machen wir doch mal was über Heuschrecken! Warum werden diese putzigen Tierchen da eigentlich für so was Hässliches missbraucht? Typisches Thema für eine Wochenend-Beilage. Bunt weiterdenken. Muss man auch können.

13 Uhr: Mittag!

Heute: Irgendwas mit Mini-Kartoffeln, Sahne, Zwiebeln und Fisch. Salat dazu, fertig. Kostet drei Euro und wird mir am Monatsende vom Gehalt abgezogen. Gemein sowas.

14 Uhr: Wir müssen weiterdrehen. Das heißt für uns: Zeitungen nach Kleinigkeiten durchforsten, Köpfe rauchen lassen. Ich finde in einem Artikel den Hinweis, dass Welse (die Fische) bis zu 80 Jahre alt werden. Wusste das jemand? Und kann man nicht mal was über alt werdende Tiere machen? Judith aus meinem Büro liest irgendwo, dass die Firma, die Hightech-Beinprothesen für Spitzensportler (!) herstellt, in Deutschland sitzt. Firmenporträt! So drehen wir also vor uns hin.

15 Uhr: Themen-Besprechung in großer Runde. Wir müssen unsere Ideen "verkaufen". Fazit des Dozenten: Alles so vorhersehbar. Aha. Bunt weiterdenken können wir also auch nicht.
Zum Glück müssen wir nicht nur immer kreativ denken, sondern dürfen auch mal "in echt" schreiben. Dann kriegen wir die Texte korrigiert wieder. Und die können dann auch mal so aussehen:

(Anmerkung: Rot heißt "ganz schlimm", blau heißt "nicht gut", grün heißt "gut". Das ist das Wolf-Schneider-System. Grün war bei diesem Text leider nix. Dafür stand da unter anderem: "Vier Zeilen über Anekdoten und keine einzige wird erzählt. Eine Todsünde! Aktive Leserverscheißerung!")

17 Uhr: Feierabend. Glück gehabt: Des öfteren schaut noch ein Abendgast vorbei, von 17:30 bis 19 Uhr. Zum Beispiel ein Chefredakteur. Oder ein Anzeigen-Mensch aus dem Verlag. Oder sonst irgendwer, der uns Interessantes erzählen kann.

Liebes Tagebuch, so ist das, bei uns auf der Journalistenschule.
Feierabend haben ist übrigens schön. So ein ganz neues Gefühl, nach all den Jahren Studium.

Marike

Dienstag, 10. Juli 2007

Ich habe seit Jahren keinen Schirm mehr besessen. Jetzt wohne ich in Hamburg. Ich sehe das als eine Art Survival-Training. Andere seilen sich von der Eiger Nordwand ab, ich stelle mich dem Regen. Der gern von einer Sekunde auf die andere über mich hereinbricht. Gern auch gerade dann, wenn ich auf dem Fahrrad sitze.

Die zwei mal, die ich mich entschlossen habe, mit dem Rad zur Schule zu fahren, bin ich zwei mal nass geworden, beides mal auf dem Rückweg. Weil das Wetter abends schon wieder gaaanz anders aussieht, als man es sich morgens vorstellen konnte.
Wann bitte wird's mal wieder richtig Sommer?
Aber weg vom Wetter, dem leidigen Thema.
Hin zum Handfesten.

Letzte Woche: Interviewen gelernt. Wie man gute, kurze, prägnante Fragen stellt und "nah ran geht". Soll heißen: Gefühle, Empfindungen, Meinungen aus einer Person heraus bekommt. Und ich dachte immer, man muss nur irgendwie Fragen stellen. Ob ich jemals so treffend und einfallsreich fragen können werde wie unser Dozent?

Überhaupt habe ich bisher vor allem gelernt, was ich alles NICHT kann: Ich kann nicht so gut Nachrichten schreiben ("Im ersten Satz muss stehen, worum es im Kern geht! Außerdem muss er in den Text reinziehen, zum Lesen anregen! Aber er darf nicht werten! Und nicht ironisch sein! Das hier ist kein Kommentar, sondern eine NACHRICHT!"). Ich kann nicht so gut Interviews führen ("Viel zu weit gefasst, das Thema, fokussieren Sie sich!"). Heute habe ich gelernt, dass ich zwar Spaß daran habe, einen Kommentar runter zu hacken, aber mich dann in Sprachbilder und Spielereien verliebe - und dabei den Inhalt vernachlässige. Wer eine Meinung hat, sollte sie auch gut begründen. Und Allerweltsmeinungen sind langweilig. Und oberlehrerhaft sollte es auch nicht sein.
Andererseits war das größte Problem am Anfang, überhaupt erst mal eine Meinung zu haben!
Plötzlich muss man beim Schreiben an so vieles denken. Jeden Satz überprüfen: Stimmt das so? Oder behaupte ich da einfach was? Vergleiche ich Äpfel mit Birnen? Benutze ich ein abgenutztes Bild? (z.B. "grünes Licht", "fünf vor zwölf" oder ähnliches)

Mehr Sorgfalt, mehr Sorgfalt, mehr Sorgfalt. Das werde ich hier wohl lernen müssen.

Ansonsten ist die "Klasse" nett, auch wenn einige sich immer mal wieder ein bisschen positionieren und präsentieren müssen. Wir nennen das die "Hahnenkämpfe".
Ach übrigens: mit Sven, der auch in Tübingen studiert hat, schwätze ich immer mal wieder schwäbisch. Oder versuche es zumindest. Auf jeden Fall lache ich mich kaputt über Sven, der gar kein Schwabe ist, den Dialekt aber so herrlich imitiert, dass ich mich wie nach Derendingen zurückversetzt fühle.

Bald mache ich auch mal Fotos vom Innenleben der Schule und unserem täglichen Freud und Leid - heute erst mal zwei Bilder vom letzten Wochenende: Jane und Philipp heirateten in München!








Ein Bild vom Brautpaar habe ich leider nicht...

Liebe Grüße an euch alle und bis bald!

Marike

Samstag, 23. Juni 2007

Überlebt

Eine Woche Wolf Schneider: überlebt!

Wer Schneider nicht kennt, dem sei versichert: auch ich kannte ihn vorher nicht. Aber in der Medienszene ist er berühmt und berüchtigt. Er ist 82, der Gründer der Journalistenschule, hat sie 17 Jahre lang geleitet und neigt zu Aussprüchen wie "das ist doch zum Speien, liebe Leute". Und damit meint er dann einen unserer Texte. Aber da wir vorgewarnt waren, ertrugen wir alles, meist mit einem Lächeln.

Eine Woche Wolf Schneider überlebt also, und viel dazu gelernt. Schneider ist nämlich wirklich gut, was Sprache angeht und hat uns viel beigebracht. (So einen Satz "er hat uns viel beigebracht, würde er zum Beispiel nie stehen lassen. Da käme dann: "Na wunderbar, viel beigebracht, wollen Sie den Leser etwa verarschen? Nur nichts Konkretes, wie? Viel beibringen, aha, denkt sich dann der Leser, na, da lese ich doch mal weiter, wie interessant! Oder wie! Ein Bier wird er sich holen, der Leser, so langweilig ist das!")

Hamburg überrascht uns derweil ständig mit neuen Sturzbächen, dann mal wieder Hitzewallungen, ab und zu ein kräftiges Gewitter... Aber so ist das wohl, in Hamburch.

Jetzt mal wieder etwas Augenfutter: Aus der Serie "Schöner Wohnen" präsentiere ich brandaktuelle Aufnahmen aus der Matthesonstraße 10.

Übrigens steht jetzt auch schon mein erstes Praktikum fest (ab September). Es gab nur zwei Praktikumsmöglichkeiten in Hamburg, insofern war die Auswahl nicht sehr groß - denn nach München, Berlin oder Dresden will ich so kurz nach dem Umzug einfach nicht. Und Roberto soll ja auch nicht allein hier hocken, während ich irgendwo in Deutschland rumdüse...
Jedenfalls werde ich nun zur "Financial Times Deutschland" gehen. Wie gesagt, die Auswahl war nicht sehr groß, Alternative war die "Morgenpost", und die geht Richtung BILD-Zeitung. Nee. Dann lieber Wirtschaft.

Bis dahin liegen aber noch viele Übungen vor mir, viele Dozenten, viele Abendgäste. Lauter interessante Leute. Aber Wochenende haben ist auch sehr, sehr schön. Und ein neues Gefühl: Stell dir vor, du kommst nach Hause und es ist Feierabend! Keine Referatsvorbereitung, kein Text wartet auf dich. Himmlisch.

Ansonsten haben wir mit dem kulinarischen Austesten begonnen: Waren letztes Wochenende in einer spanischen Bar hier in Eimsbüttel und ein paar Tage später im portugiesischen Viertel, wo sich sprichwörtlich ein Restaurant ans andere reiht.

Sagte ich bereits, dass ich Hamburg mag?

Es grüßt euch,

Marike

Sonntag, 17. Juni 2007

Geneigter Leser,
dieser Blog wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Wenn ihr also an Höhen und Tiefen aus meinem Hamburger Leben interessiert seid, schaut immer mal wieder rein. Eine persönliche Aufforderung wird es von nun an aber nicht mehr geben...
Viel Spaß beim Mitverfolgen
Marike

Samstag, 16. Juni 2007

Alles neu und alles anders

Wo soll ich anfangen, wo hör ich auf und was erzähle ich mittendrin?

Zu Anfang am besten dieses: Ich werde wohl nie wieder unschuldig eine Zeitung lesen können. Denn an der Journalistenschule werde ich getrimmt. Konkret sein! Klischees vermeiden! Bilder benutzen! Bloß nicht zu viele Nebensätze! Und vor allem: Verständlichkeit, Verständlichkeit, Verständlichkeit!

Aber ich bin schon beim Mittendrin.

Fangen wir beim Anfang an: Angekommen in Hamburg musste ich vor allem erst einmal lernen, wie man die Maurerkelle schwingt. Die feinfühligen geistigen Aufgaben sollten erst eine Woche später beginnen - jetzt hieß es erst einmal: Füllstoff an Wände klatschen, gehärteten Füllstoff abschleifen (Tennisarm-Alarm!), mit dem Pinsel in entlegene Ecken vordringen. Denn die Wände sahen, mit Verlaub, saumäßig aus. Alles war voller Löcher und bröselte uns entgegen. Ich bin deshalb jetzt Spezialistin für das Verputzen von Räumen und für kleine, fiese Gipskügelchen, die einmal Füllstoff waren und in ihrem zweiten Leben als harte Substanz überall in der Wohnung herum kullern. Was nicht schlimm wäre, wenn sie nicht gemeine, weiße Flecken auf dem schönen Holzfußboden hinterlassen würden.
Um mein Jammern und Leiden zusammen zu fassen: Eine Woche lebten wir in Dreck und Staub, eine Woche arbeiteten wir von früh bis spät, eine Woche fielen wir jeden Abend völlig erledigt auf unsere Matratze. Dann aber konnten wir stolz wie Bolle sein. Warum, das seht ihr auf den Bildern.






Auch wenn noch einiges an Einrichtung fehlt, die Türen noch nicht neu gestrichen sind und noch einige Kisten herum stehen: Diese Wohnung ist wirklich schön. Natürlich sind wir auch farblich wieder kreativ gewesen!

Noch viel schöner als die Wohnung (und die vergleichsweise geringe Miete) ist aber das Viertel drumherum. Eimsbüttel. Eimsbüttel ist einfach zum Gernhaben. Jedenfalls wenn man hübsche Altbauten mag. Und viel Grün. Und kleine Läden. Und Gemüsehändler an jeder Straßenecke. Und portugiesische Cafés, spanische Restaurants oder mexikanische Cocktailbars. Und Bringdienste, Supermärkte und eine Einkaufsstraße um die Ecke.

In diesem Viertel kann man eigentlich leben, ohne es jemals zu verlassen. Das ist eine kleine Welt für sich.


Matthesonstraße 10

Jetzt zum zweiten großen Themenblock: der Henri-Nannen-Schule. Ich bin noch ganz geschafft von der ersten Woche, alles ist interessant, aufregend, anstrengend. Mit 19 anderen Schreibbegeisterten in einem Raum zu sitzen und ab und zu den Gedanken im Kopf aufblitzen zu lassen: "Mensch, ich bin an der Nannen-Schule!", das, naja, rockt irgendwie.

Der Verlag ist toll, bietet uns lauter Vergünstigungen, Zuschüsse und eine Abschlussreise nach New York oder Israel. Außerdem bezahlen die uns das Zimmer, wenn wir für ein Praktikum in eine andere Stadt müssen! Ganz zu schweigen von der Cafeteria, die ich immer noch aus Versehen "Mensa" nenne, obwohl die beiden so viel miteinander zu tun haben wie Heidi Klum mit Ozzy Osborne. (War das nicht wunderbar KONKRET? Und BILDHAFT? Und VERSTÄNDLICH? Ich gebe mir große Mühe, eine gute Journalistenschülerin zu sein...)

Die Cafeteria jedenfalls ist der Hammer und auch nicht teuer. Nur ist das System leider so, dass wir bargeldlos bezahlen und uns am Ende des Monats alles vom Ausbildungs-Gehalt abgezogen wird. Gefährlich, gefährlich!

Der Leiter der Schule ist sehr nett, verlangt aber auch einiges an Disziplin. Wir haben oft interessante Abendgäste, neulich zum Beispiel den GEO-Chefredakteur. Ansonsten kommen jede Woche ein bis zwei Dozenten aus der Praxis (zum Beispiel auch Hans Leyendecker und Heribert Prantl, für alle Süddeutschen-Leser). Die Themenblöcke sind derzeit beispielsweise "Die Nachricht", "Die Reportage", "das Interview", "die Wochenendbeilage" etc.

Wir machen ständig Übungen, müssen also sehr oft etwas schreiben, das dann bei jedem einzelnen redigiert wird. Wir sitzen zu viert in eigenen Büros, in einer frisch renovierten Etage eines alten Kontor-Hauses. Hier Marike an ihrem "Arbeitsplatz":


Heute hatten wir schon unseren ersten Wochenendeinsatz und waren auf einer Journalismus-Konferenz. Nett, wenn am Nebentisch Maybritt Illner und Günther Wallraff stehen! War alles ganz interessant, zum Beispiel Themen wie "Lobbyismus und Medien" oder "Recherchebericht in Sachen CIA-Flüge".

Ansonsten konnte ich jetzt die ZEIT und meine Tageszeitung abbestellen, kriegen wir nämlich alles kostenlos. Jeden Morgen liegen etwa fünf, sechs Tageszeitungen da, die zu lesen wir gar nicht die Zeit haben. Außerdem habe ich keine Zeit, mich anzumelden, mir eine Haftpflichtverrsicherung zu besorgen, eine Azubi-Monatskarte zu beantragen, bei IKEA einzukaufen und so weiter und so fort. Wenn ein GEO-Chef da ist, sind Monatskarten nun mal zweitrangig. Gell?


Seid gegrüßt und versichert, dass es mir sehr, sehr gut geht.

Marike