Dienstag, 18. September 2007

Praktikantendasein

Jetzt hab ich schon, ach, Wolfgang Schäuble und Gerhard Schröder live gesehen, und doch: So richtige Freude mag sich nicht einstellen.

Nachrichten-Journalismus ist wohl nicht so für mich.

Was das Ganze aber rettet: Berlin!

Wenn ich im Prenzlauer Berg im Café sitze, draußen Kastanien, Kopfsteinpflaster und Altbauten, vor mir ein Milchkaffee und ein Klatschblatt - dann geht es mir gut. Diese Stadt ist eine einzige Einladung, und ich nehme sie ständig an. Billig essen gehen, was trinken gehen, umherradeln, wieder was Essen gehen, Atmosphäre genießen... Jibtet wat Schöneres?

Die WG ist auch sehr sehr nett, leider in Kreuzberg statt P-berg oder Friedrichshain. Aber wozu habe ich mein treues Fahrrad? Am Wochenende war Roberto da und wir sind wie wild durch die Straßen geradelt. Und von einem gemütlichen Café ins andere getorkelt, trunken vor Begeisterung. Soooo schön.


Und das Praktikum? Morgens bekomme ich dort entweder den Auftrag, in eine "PK" (Pressekonferenz) zu gehen, oder eben nicht. Wenn nicht, kann es sein, dass ich im Laufe des Mittags den Auftrag bekomme, eine reinkommende "Geschichte" (Nachricht) zu bearbeiten (Leute anrufen und Stimmen einfangen, Hintergrund recherchieren, schreiben). Wenn nicht, habe ich Pech gehabt. So drehe ich manche Stunde Däumchen und versuche, eigene Geschichten zu finden. Ist aber nicht ganz einfach in einer tagesaktuellen Nachrichtenredaktion.
Ich möchte ja gern positiv auffallen und eine gute Praktikantin sein - aber ich schaffe es irgendwie nicht. Die kennen sich alle so gut aus, da halte ich meist meinen Mund. Und wurschtele so vor mich hin, ohne dass ich groß jemandem auffalle. Manchmal mache ich Themenvorschläge, manchmal wird gesagt: "Ok, wenn du dich darum kümmern willst, gern." Aber für ein großes Licht am Journalistenhimmel wird mich hier wohl niemand halten. Ich mich ja auch nicht.

Naja, wenigstens sind die Leute nett, die Atmosphäre ist locker und freundlich - aber ich bin gegen 18:30 Uhr eigentlich immer fast die Erste, die geht. Auch dafür werde ich wohl nicht den "Engagierte-Praktikantin"-Preis des Jahres bekommen. Aber ehrlich, ich fühle mich wenig engagiert. Ich mache meine Arbeit, so gut ich kann. Und genieße ansonsten: BERLIN!

Es freut sich des Berliner Lebens,

Marike

Donnerstag, 13. September 2007

Mittwoch, 5. September 2007

Hauptstadt

Berlin, Berlin!

Da sitze ich nun also mitten in Kreuzberg, bin plötzlich in einer anderen Stadt, lauter Türken-Bars um mich herum, radele morgens in die Gucci-Chanel-Dior-Friedrichstraße und weiß gar nicht richtig, wie mir geschieht...

Schön ist das und ein bisschen aufregend und ziemlich kurzweilig und manchmal anstrengend. Dabei sind gerade einmal drei Tage Praktikum vorbei.
Das Praktikum selbst ist anstrengend - auf eine andere Art und Weise als "stressig". Ich muss nach Themen regelrecht suchen, sonst drehe ich nur Däumchen. Und leider fällt das Themen-finden in einem knallharten Bundespolitik-Ressort schwer. Da gibt es halt übliche Pressekonferenzen, zu denen die üblichen Leute hingehen. Und wenn was passiert, gibt's immer jemanden, der für das Thema zuständig ist. Ich lächele dann sehr nett und frage, ob ich denjenigen irgendwie unterstützen kann. Naja. Praktikantentum halt. Ansonsten ist es spannend zu sehen, wie Politik beobachtet und bewertet wird. Die Leute hier sind ganz schön fit, kennen sich gut aus. Und viele Themen werden ausführlich besprochen. Allerdings wird auch manches künstlich aufgeblasen, damit es überhaupt ein Thema wird. So nach dem Motto: "Wäre doch schön, wenn sich mal jemand so richtig über den Ausspruch vom Beck aufregen würde - ruf doch mal ein paar Leute an!" Sowieso: anrufen. Ganz wichtig im Politik-Ressort. Erste Routine, nachdem eine Nachricht über den Ticker reinkommt: Zum Hörer greifen. Ich musste auch schon Bundestagsabgeordnete und "Terrorismusexperten" anrufen.

Sorry übrigens, dass dieser Blog weitgehend bildlos ist. Ich habe leider keine Kamera hier in Berlin, hoffe aber, dass ich bald mal ein paar Bilder machen kann.

Die WG, in der ich ein Zimmer bewohne, ist super nett. Und zwei meiner "Mitschülerinnen" wohnen gar nicht weit weg. Meine Großeltern sind sogar auch nur siebeneinhalb Minuten von mir entfernt! Ich kann mich also auch im Kosmos Berlin wunderbar per Rad bewegen. Gern würde ich auch mal Kreuzberg und Mitte verlassen - allein, es fehlt die Zeit. In der Redaktion verlässt so gut wie niemand vor halb sieben/sieben das Haus. Meist eher gegen acht. Und so sitze ich also von morgens bis abends im Großraumbüro und habe kaum etwas vom Tag. Jaja, das harte Arbeitsleben...!

Seid lieb gegrüßt, ihr alle irgendwo in Deutschland!

Marike

P.S. Guckst du hier: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Polizei%20Gotteskrieger/249301.html