Freitag, 24. August 2007

Zeitungsmache

Was! für! eine! Woche!

Drei Tage Zeitungsproduktion. Drei Tage Vollstress. Drei Tage unter Strom.

Und das steckt dahinter: Die Henri-Nannen-Schule lässt jeden ihrer Jahrgänge am Ende des ersten Lehrblocks (und ja, da bin ich schon angekommen, am Ende der ersten zehn Wochen!) eine Übungszeitung machen. Drei Tage, sechs Seiten, unter Realbedingungen.

Wir haben also Ressorts gebildet, uns zwei, drei Tage vorbereitet, und dann ging es los. Ich saß im Ressort "Politik und Wirtschaft", musste also folgende Multitasks vollbringen: Zeitung lesen, Nachrichtenticker checken, neu reinkommende Nachrichten auf ihre Relevanz überprüfen und gewichten, recherchieren, Leute für O-Töne anrufen, kreativ sein (was kann man aus der Nachricht machen? Kann man die "drehen"? Braucht man einen Hintergrundkasten? Bietet sich ein Interview an?), immer mal wieder Spiegel online checken, schreiben, schreiben, schreiben, überarbeiten, ins Layout einpassen, Bildidee ausdenken, andere Artikel gegenlesen und so weiter und so fort. Von sehr früh morgens bis ziemlich spät abends.

Ich hoffe, ich konnte den Stressfaktor durch diese Aufzählung adäquat rüberbringen.
Bin jetzt völlig ausgelaugt. Obwohl: Es wurde von Tag zu Tag besser. Und hat auch ohne Frage Spaß gemacht. Vor allem, weil wir alles selbst machen durften. Ideen umsetzen und so, was Eigenes produzieren. Das hat mich ja schon immer am meisten angefixt. Neben dem wunderschönen Akt des Schreibens selbst, natürlich.

Die Zeitung sah übrigens ganz gut aus am Ende. Besonders nett waren unsere bunten Seiten, die Seite drei und die Panorama-Seite. Hier sind halt lauter Kreativlinge...

So. Jetzt ist Wochenende. Und ich weiß irgenwie gar nicht so richtig, was ich machen soll. Zwei Tage lang nix zu tun, komisch!

Nachher wird erst mal schlafen:
die Marike

P.S. Der Titel unserer Zeitung übrigens: Norddeutsche Zeitung. Ähnlichkeit mit bestehenden Publikationen nicht ausgeschlossen...

Dienstag, 14. August 2007

26

Habe gerade gemerkt, dass ich nicht mehr 18 bin.

Und das ging so: Am Wochenende hatte ich Mädels-Besuch aus Tübingen; Franziska, Martina und Susanne waren da. Natürlich mussten wir auf die Piste. Natürlich würde es spät werden. Aber dann wurde es fünf. Und alle, wirklich alle außer mir waren fest davon überzeugt, dass man in Hamburg NATÜRLICH nicht den Fischmarkt verpassen dürfe. Und zwar im fließenden Übergang: Runter von der Tanzfläche, ran an die Fischbuden! Ich hatte zwei gute Gründe gegen diesen Plan: Meinen rechten sowie meinen linken Fuß, die in hochhackigen Schuhen steckten. Aber auf mich wollte ja keiner hören. Also stöckelte - humpelte? - ich hinterher. Auf dem Fischmarkt war es langweilig, aber immerhin: Es gab Shrimp-Brötchen. Um fünf Uhr dreißig. Nach Wein, Bier und Caipirinha. Das hat mich total überzeugt.
Irgendwann gegen sieben waren wir dann zu Hause. Ich bettete meinen geschundenen Füße unter die Decke, bemühte mich, das Tageslicht weitesgehend zu ignorieren und fiel dann in einen leichten Schlaf. Bis zwölf. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Variationen des Ausruhens: Ausruhen an der Alster, ausruhen auf dem Alsterschiff, ausruhen im Beach Club an der Elbe. Dann ging ich wieder schlafen.
Montag dann: Schule. Und ich kannte nur ein Gesprächsthema: "Ich bin so müde!" Habe versucht, mich mit Koffein über Wasser zu halten. Irgenwie funktionierte das nicht. Dachte ich. Abends im Bett fing es nämlich an, ganz wunderbar zu funktionieren. Ich drehte und wälzte mich, totmüde und frustriert.
Heute dann: Schule. Und ich bin immer noch müde.

26, liebe Leute. Das ist nicht alt. Aber so wirklich jung ist es anscheinend auch nicht mehr.

Gute Nacht.

Marike

Freitag, 10. August 2007

Erdig

Ha! Jetzt weiß ich endlich, was ich werde, wenn ich groß bin: Gerichtsreporterin!

Und ich weiß auch, warum mir das Spaß macht: Man geht hin zum Gericht, setzt sich hin, muss niemanden anrufen, niemanden belästigen, niemanden interviewen - man hört einfach zu und schreibt das auf. Ach, wie schön.

Im Ernst, im Gericht zu sein war spannend. Und natürlich würde ich das nicht mein ganzes Leben machen wollen, aber Spaß gemacht hat es! Obwohl "Spaß" vielleicht nicht das richtige Wort ist. In erster Linie "erdet" so ein Gerichtsbesuch.

1. Verhandlung: Frau mit 20jähriger Kokain-Vergangenheit, lebt von Hartz IV
2. Verhanldung: Junger Mann ohne Hauptschulabschluss, lebt von Hartz IV
3. Verhandlung: Junge Frau mit Kind, Heroin-Vergangenheit, lebt von Hartz IV

Ich denke ihr versteht, was ich mit "erden" meine...

Da schluckt man erst mal und wird sich bewusst, in was für einer anderen Welt man lebt. Und dass es diese andere Welt auch gibt, direkt um die Ecke, ohne dass wir viel davon mitbekommen. Wir mit unseren Auslandssemestern und Wochenend-Trips...

Ja, ich bin sehr geerdet. Und werde mich jetzt zum weiteren Nachgrübeln ins Bett zurück ziehen.

Eure

zukünftige Gerichtsreporterin

Donnerstag, 2. August 2007

Auf der Jagd

FRUST!

Was ich mag am Journalist-sein: Schreiben.
Was ich nicht mag: Ziemlich vieles, was vorher kommt.

Vielleicht sollte ich doch lieber Schriftstellerin werden?

Die Geschichte geht so:

20 Journalistenschüler sollen eine Reportage schreiben. Oberthema: Jugend. Marike denkt sich: Schreibe ich doch mal über diese shopping-geilen Mädchen, die mit 12 schon aussehen wie 16 und sich mit 13 anziehen wie 20. Für eine Reportage muss man aber irgendwo DABEI sein, das geht nicht einfach so im luftleeren Raum. Also losziehen, Mädels finden. In der Schule wird gewitzelt: "Wir Mädchen von der Mönkebergstraße, höhöhö".
Ich witzele mit.
Höhöhö.
Dann vergeht mir das Lachen.
Ich hasse Leute-finden! Stundenlang habe ich vor Orsay und Pimpkie gestanden und junge Mädels angelabert, aber sie passten alle nicht so recht ins Raster. Zwar liefen da jede Menge Ballerina-beschuhte Mädchen mit perfektem Lidstrich rum, aber entweder waren sie zu alt (mein Ziel: 13, 14 Jahre alt), oder mit Mama unterwegs (Ziel: Freundinnen unter sich) oder sie gaben nicht genug Geld für Klamotten aus (Ziel: so hundert Euro im Monat). So ist das, wenn man sich ein Profil zurecht legt. Wenn ich dann endlich, endlich zielgruppige Mädchen finde, dann will ich sie beim Einkaufen begleiten und beobachten, sowie ausführlichst befragen. Das wird dann alles ein Klacks, wird das!
Nachdem ich gestern Nachmittag schon erfolglos war, probierte ich es heute wieder - im Regen. Daraufhin musste ich vor lauter geistiger Anspannung und zwecks Entspannung meiner Füße erst mal zum teuren Starbucks. Habe schätzungsweise eine halbe Packung Philadelphia gegessen, die sich in einem "Rasperry Cheese Cake" versteckte. Frustbekämpfung kann so schön sein.
Morgen geht der Straßenkampf weiter.
Bäh. Mag nich mehr.

Bald wieder besser gelaunt,

Marike

P.S. Oh: Es gibt übrigens etwas, in dem wir gut sind! Mussten neulich ein Porträt über einen Dozenten schreiben und wurden durchweg gelobt! Man höre und staune!